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Kurzer geschichtlicher Abriss zum Komplex Traube (Strugure)

Der Bau, in dem sich der Komplex Traube befindet, stammt aus dem XVIII. Jahrhundert.

Vedere generala Hotel Traube in 1925

Laut Unterlagen wurde er 1800 errichtet, was auch plausibel erscheint. Das historische Baudenkmal besteht aus 3 Baukörpern, die in verschiedenen Etappen gebaut und mehrmals umgebaut wurden. Mehrere Bauelemente verschiedenster Epochen sind auszumachen. Der Steinbau hat eine traditionelle Struktur, die Grundmauern und jene des Kellergewölbes sind aus Stein und Backstein, die tragenden Wände und die Trennwände wurden in Ziegelbauweise ausgeführt, die Kellerräume und das Erdgeschoss haben meist Ziegelgewölbe, die Böden sind aus Holz, jene neueren Datums aus Eisenbeton, die Treppenaufgänge sind meist aus Holz, aber auch aus gehauenem Stein oder aus Eisenbeton. Der Dachstuhl aus Holz ist mit Dachziegeln eingekleidet.

Infolge mehrerer Umbauten sind neue Räume entstanden. Stahlträger (im Restaurant) und Eisenbetonabstützungen, so wie neue Bauelemente sind in die traditionelle Struktur gut integriert worden.

Der Hotel-Restaurant-Komplex Traube ist ein imposantes Gebäude, das sich auf der Nordseite des Regele-Ferdinand-Platzes gut ausmacht.

Der Haupteingang, ein Arkaden förmiges Tor (mit Rundbogen) teilt das architektonische Ensemble in zwei Gebäudeteile. Rechts befindet sich das mit großen Fenstern ausgestattete, Licht durchflutete Restaurant. Über dem Restaurant beherrscht ein spitzer Giebel das Bild, durchbrochen von zwei mächtigen Fenstern, dahinter sich das seit 1925 so genannte „Kasino“ befindet. Unter dem Dachvorsprung steht mit großen Lettern geschrieben: „Hotel Traube Restaurant“ (Traube = strugure).

Früher befand sich im linken Flügel das Kaffeehaus und die Wirtsstube. Darüber, im 1. Stock und in der Mansarde war das Hotel, mit dazumal 28 Zimmern, untergebracht. In der warmen Jahreszeit waren vor dem gesamten Gebäude überdeckte, Schatten spendende Terrassen. Aus dem ersten Hof, dem Haupthof, gelangte man in die Restaurantküche, übrigens die „Kommandobrücke“, denn hier befand sich auch die Person, die den gesamten Komplex überwachte und steuerte.

Ab dem Jahre 1925 herrschte hier, zwischen Küche und Salon, die Frau des Inhabers, Frau Luise Kartmann, die 24 Jahre ihres Lebens, von morgens bis nachts anwesend war. In Ausnahmefällen wurde sie von einer Vertrauensperson, ihrer Tante, der Frau Josefine Kandert vertreten.

Cei patru copii ai familiei Kartmann in 1935

Vier Kinder hatte Frau Kandert, die in Kompanie der vier Kinder des Inhabers (Kurt, Erhard, Bruno und Rolf), aufwuchsen.

Von diesen Acht leben heute noch fünf Personen, alle heute wohnhaft in Deutschland und von denen bloß noch der Jüngste, heute 72-jährig, gelegentlich Medias/Mediasch besucht.

Über das Gelände des Traube-Hofes konnte man den Stadtsaal, „Traube-Saal“, erreichen. Dieser Gebäudetrakt überragte alle anderen Häuser. Der Bühnen-/Zuschauerraum befand sich im ersten Stock. Darunter war ein Zugangstor zum Wirtschaftshof, mit diversen Nebengebäuden: Die Sommerküche, der Eiskeller, Lagerräume, Wohnungen, Ställe, die Wäscherei und die Garagen. Ein weiteres Tor erlaubte den Zugang zum Sommergarten. Aus dem Haupthof erreichte man auch die kleinen Spielräume (Rummy, Kartenspiele, Billard), die wiederum Zugang zum Kaffeehaus hatten.

Daniel Kartmann, der letzte der Pächter vor der Nationalisierung, schaffte die Voraussetzungen für die Modernisierung dieses Gastronomie -Komplexes. Während mehrerer Aufenthalte in Wien, bekam er Einblick in Bewirtschaftung nach neueren, moderneren Standpunkten ähnlicher Lokale und  baute Hotel und Restaurant um, das auch heute noch in großen Zügen so dasteht und keinen Vergleich scheuen muss gegenüber anderen Lokalen höherer Klasse.

Hotelierul Daniel Kartmann si sotia sa Luise Kartmann

Um das Wohlergehen der Gäste kümmerte sich der Hotelier, Herr Daniel Kartmann, seine Frau Luise Kartmann, eine Köchin, sechs Küchenhilfen, vier Kellner, drei Portiere, eine Empfangsdame, drei Zmmmermädchen, eine Kaffeeköchin, zwei Kaffeehaus-Kellner, zwei Kellnerinnen in der Wirtsstube, ein Verwalter, ein Kellermeister und zwei Wäscherinnen.

Grupul „Bohem” jazz din Cluj

Allabendlich wurde von kleineren oder größeren Musikgruppen Tisch- und Unterhaltungsmusik geboten, zum Tanz aufgespielt. Es herrschte beste Stimmung. Öfters wurden Musiker angeheuert, meist Studenten des Konservatoriums aus Cluj/Klausenburg. Außer Gelegenheitsklientel, konnte immer mit Stammgästen gerechnet werden. Zu diesen zählten auch: Persönlichkeiten aus anderen Ortschaften, Kaufleute, die den wöchentlichen Markt besuchten, Gäste, die täglich Kaffee tranken und die Spielräume bevölkerten. Viele Vereine und Vereinigungen trafen sich hier zu Versammlungen in festlichem Rahmen. Diesem Zweck dienten auch die Separees, wo abendliche Veranstaltungen ab liefen. Im Laufe der Zeit fanden hier viele Jubiläen, Hochzeiten, Bälle, Taufen, Faschingsbälle und sonstige Veranstaltungen den passenden Raum, zur Freude von  tausenden Besuchern und Gästen, alles unter der qualifizierten Aufsicht und Obhut von Daniel und Luise Kartmann.

Lista de bucate din anul 1938

Im Restaurant wurde täglich ein reichhaltiges Sortiment guter Speisen serviert, die Menükarte lag dreisprachig auf: rumänisch, deutsch und ungarisch.

Daniel Kartmann (Jahrgang 1892) stammte aus Atel/Hetzeldorf, seine Frau Luise (*1900), geb. Chrestel, ebenfalls aus dieser Ortschaft. 1921, nach Heirat, pachteten die Eheleute zunächst ein Restaurant in Orastie/Broos. 1925, als die Stadtverwaltung von Medias/Mediasch  die „Traube“ zur Pacht aus schrieb, entschlossen sie sich nach Medias/Mediasch zu wechseln, auch deshalb, weil sie so näher am Heimatort sein konnten.

Der erste Pachtvertrag wurde am 23. September 1925 gefertigt und unterschrieben, mit einer Dauer von 3 Jahren. Wurde dann immer wieder verlängert. Daraus kann geschlossen werden, dass das Bürgermeisteramt mit der Verwaltung, zum Nutzen der Stadt und der Bürger, zufrieden war. Die Originalausfertigungen dieser Verträge sind im Archiv des Bürgermeisteramtes deponiert worden und einsehbar.

Die Verträge enthielten immer auch Klauseln betreffend Umbau und Modernisierung, denen Daniel Kartmann im Laufe der Jahre auch nachgekommen ist. 1929 wurde die Kapazität des Hotels, durch kostspielige Aufstockung, verdoppelt. Die so gebaute Mansarde passt harmonisch in das Stadtbild und in den Stil der Hausfront, wie wenn es nie anders gewesen sei.

Der letzte Pachtvertrag wurde 1945 mit Laufzeit bis 1949 aufgesetzt. Das bezeugt, dass Daniel Kartmann auch in unruhigen Zeiten den Mut aufbrachte weiter zu machen. Den Gefahren und Schwierigkeiten zum Trotz ging der Betrieb im Komplex „Traube“ weiter. Traube war die einzige gastronomische Einheit, die ohne Unterbrechung weiter funktionierte. Bloß das Hotel war während der Besetzung durch die Rote Armee als solches nicht verwendbar, da es in ein Epidemie-Spital umgewandelt wurde. Dieser letzte Vertrag wurde dann einseitig, vom Bürgermeisteramt 1948 gekündigt. Im Mai 1948 wurde Daniel Kartmann inhaftiert, wegen seiner Tätigkeit zum Nutzen der Evangelischen Kirche und auch der sächsischen Bevölkerung am Ort , kam erst 1951 wieder frei. In seiner Abwesenheit hielt seine Frau Luise den Betrieb weiterhin aufrecht, bis sie im Juli 1948      gezwungen wurde, einen sogenannten „Vertrag“ zu unterzeichnen, laut dem sie den gesamten Betrieb den neuen Machthabern übergab. Die Familie Kartmann hat nie eine Entschädigung für das Inventar und die zu dem Zeitpunkt auf Lager befindlichen Waren und Lebensmitteln, die ja Eigenbesitz waren, erhalten.

So wurde ein Betrieb zu Grunde gerichtet, der über Jahrzehnte eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Stadt und des Kreises gespielt hat. Zugleich mit der “Traube“ wurden auch alle anderen privaten gastronomischen Einheiten abgewürgt.

Das Hotel und Restaurant Traube hatte auch deshalb eine besondere Bedeutung, da ihr Pächter, Herr Kartmann  zugleich auch Vorsitzender des Gastronomischen Vereins war, dem 37 Einheiten unterstanden: Restaurants, Konditoreien, Wirtshäuser, u. Ä.  Diese Informationen bekamen wir vom Sohn Erhard Kartmann, der von seinem Vater oft als Laufbursche mit Einladungen und sonstigen Benachrichtungen zu den anderen Mitgliedern des Vereins geschickt wurde.

George Togan schrieb 1944 in seiner Arbeit „Medias – istorie romantata“ (Mediasch -romantische Geschichte): Die Spaziergänge am „Korso“ sind geteilt. Samstag Abend, die  zweite Kategorie: die Dienstmägde, die ihre bäuerliche Kleidung abwarfen, die pausbäckigen Schneiderinnen mit blauen Augen und die Arbeiter der Fabriken. Diese Mädel treiben Luxus und essen Speiseeis für zwei Lei. Nach ausgiebigem Spaziergang sitzen sie unter den Kastanienbäumen im Sommergarten („Gradina de vara“). Hier erhitzt sie Wein und Tanz. Oben, am Sternenzelt, schlägt die Milchstrasse eine großen Bogen über den Marktplatz und bleibt mit dem einen Ende an der Spitze des Trompeterturmes hängen.

Sonntags spaziert am „Korso“ die Intelligenz . Zweimal – erstmals, wenn sie aus der Kirche kommen, nachdem sie die Verkündigung des Gotteswortes gehört haben, ein zweites Mal am Abend. Der Trubel am Korso hat längst begonnen. Die Milchstrasse senkt sich allmählich ab. Auf der Terrasse des Restaurants „Traube“ (Strugure) sind die Tische mit weißen Tischtüchern gedeckt, Körbchen mit Brot, Braila-Käse, in Bucuresti/Bukarest hergestellt, Oliven, immer drei auf einem Zahnstocher aufgereiht, und  ein Halbes Maß (o halba) „Luther“-Bier. Von Zeit zu Zeit schickt der Saxophon-Bläser einen schrillen Ton  hin zu den Ohren derer, die noch spazierten, denn die Tische standen schon bereit.

In diesem eleganten Restaurant spielt ein berühmtes Orchester, geleitet von einem wahren Künstler des Geigenbogens, dessen Ruhm schon längst über die Grenzen des Landes gedrungen ist. Seine Vorfahren waren nicht minder talentiert.

Es war ein Juniabend und ich hörte die „Serenade“ von Braga. Des Dirigenten Geigenbogen spielte schon nicht mehr auf der Saite der Geige, sondern auf der imaginären Seite des Herzens. Die Erregung war so kräftig, dass meine Seele zu schweben begann…“ Soweit George Togan in seiner romantischen Geschichte.

Hotel Traube im XXI. Jahrhundert

Wenn Sie mit Freunden und der Familie oder geschäftlich unterwegs sind, stehen Ihnen 15 Doppelzimmer zur Verfügung, die Ruhe und auch Raum für Beschäftigungen bieten.

Ein altes Sprichwort sagt, während dem Essen muss man entspannen und sich nicht nur am guten Geschmack der Speisen ergötzen, auch die Atmosphäre am Ort muss stimmen. Solch gutes Umfeld finden Sie auf der Terrasse, dem Restaurant, im Weinkeller und in der Bar des Hotels.

Sollten Sie in geschäftlichem Interesse in der Stadt sein, kann auch der Konferenzsaal in Anspruch genommen werden, neben den sonstigen Lokalitäten, die bereits erwähnt wurden.

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Kurzer geschichtlicher Abriss zum Komplex Traube (Strugure)
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